Tom Henderson

Flatland

22. Mai bis 22. September 2017

 

Der britische Künstler Tom Henderson liebt Licht, starke Farben und Plexiglas. Zusammen mit Fräsen und Autolack fängt er das eine in seinen Arbeiten auf dem anderen ein. Seine Kunstwerke hängen zwar flach an der Wand, aber Bilder sind es nicht. Sie changieren, flimmern, leuchten, sie sind genau geplant und doch gehört der Zufall ganz klar mit zum Konzept. Alle Arbeiten sind so konzipiert, daß sie erst wirklich funktionieren, wenn der Betrachter einen bestimmten Blickwinkel einnimmt und ihn dann immer wieder verändert. Eine schwarze Oberfläche kann vom richtigen Standpunkt und wechselndem Blickwinkel aus gesehen ein vielschichtiges, spannendes Objekt werden, das uns so viel erzählt darüber, wie alles letztlich doch nur eine Frage der Perspektive ist. 

 

Tom Henderson wurde 1976 in London geboren und entdeckte seine Liebe zur bildenden Kunst in der Schule, wo der berühmte Keramik Künstler Gordon Baldwin ihn unterrichtete. Nach der Schule studierte er Kunst an der University of Newcastle upon Tyne, wo er sich auf Bildhauerei spezialisierte. Sein Fokus lag schon damals darauf, Dinge, Objekte, Werke zu erschaffen, die den Betrachter proaktiv mit einbeziehen, die in ihrer Aussage sich aber ganz klar auf das beschränken, was wirklich wichtig ist und keine dekorativen extra Schleifen drehen. Zur gleichen Zeit legte Tom Henderson schon und noch immer großen Wert darauf, daß jedes Kunstwerk in sich ästhetisch schön und ansprechend ist. Hässliche Kunst interessiert ihn nicht. Seine Kunst kann als poetischer Minimalismus beschrieben werden. 

 

Mit Abschluß seines Studiums lebte der Künstler viele Jahre in London. Nach einer kreativen Pause begann er 2003 seiner Liebe zum künstlerischen Schaffen wieder nachzugehen. 2009 kam dann der Umzug mit Familie nach Südfrankreich, wo er sich seitdem ganz seiner Kunst widmet. 

 

All seinen Arbeiten liegt Bewegung zu Grunde. Bewegung entweder in zerkratzten Oberflächen, die wie Moirestoff changieren, oder in geschnittenen Plexiglas Arbeiten, deren Kanten vor dem Zusammensetzen eine andere Farbe bekommen haben. Oder aber es ist die Bewegung des Betrachters zum richtigen Standpunkt, der dem Kunstwerk sein Leben einhaucht. 

 

Tom Henderson ist immer schon fasziniert gewesen von den Materialien der Bildhauer. Er versucht ihre ganzen Möglichkeiten in seine Kunstwerke auszuloten, spielt mit ihren verschiedenen Qualitäten. Holz zum Beispiel hält er für freundliches Material, das Ruhe spendet und viel mit sich machen läßt. Plexiglas liebt er, weil es durchsichtig ist und damit von allen Seiten bearbeitet werden kann. Zur gleichen Zeit ist es stabil, das heißt, es braucht keinen zusätzlichen Rahmen, um gestützt zu werden. Es hängt wie ein Bild flach an der Wand, aber da es doch eine gewisse Tiefe hat, ist jede Arbeit eher ein 3-dimensionales Objekt, als eine 2-dimensionale Leinwand. Plexiglas kann man bemalen, zerkratzen, durchbohren, es lässt ebenfalls ganz viel mit sich machen.

 

Tom Hendersons Kunstwerke, die nur auf den ersten Blick formal  zurückgenommenen wirken, sind nicht nur voller Referenzen und Beobachtungen unseres Daseins sondern durchdrungen mit dem wunderbaren englischen Humor des Künstlers.

 

Isabelle Rundstedt, Kuratorin

Februar 2017